Was ich dir noch nie erzählt habe – ein Blick hinter meine Fassade
- Jennifer Dornfeld
- 4. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Heute möchte ich etwas sehr Persönliches mit dir teilen – etwas, das viele von uns vielleicht nicht gerne offen aussprechen. Ich möchte dir erzählen, wie unperfekt ich bin.

Als Mentorin fühle ich mich oft stark und authentisch. Es ist mir eine Freude und Erfüllung, mit meiner Gabe Menschen zu begleiten und ihnen zu helfen. Doch hinter dieser Stärke gibt es Tage, an denen ich mich verloren fühle – ja, hilflos. Es sind diese Momente, in denen ich meinen eigenen Erwartungen nicht gerecht werde.
Besonders herausfordernd sind für mich Abende. Abende, an denen unsere Tochter manchmal sogar eine Stunde Einschlafbegleitung braucht. Diese Routine zieht sich oft über Tage oder Wochen. Und genau diese Abende sind eigentlich die Zeit, in der ich endlich Dinge in Ruhe erledigen könnte – Haushalt, private Angelegenheiten oder einfach mal durchatmen. Stattdessen kämpfe ich mit der Müdigkeit, dem Frust und dem Gefühl, nicht genug zu sein.
Denn da sind die Rollen, die ich ausfüllen möchte:
Eine geduldige, einfühlsame Mutter, die immer mitfühlt und versteht.
Eine Hausfrau, die Ordnung liebt und schafft.
Eine liebevolle Partnerin, die Raum für Nähe und Sinnlichkeit schafft.
Doch oft gelingt mir das nicht. Ich bin müde, ich bin überfordert – und ich frage mich, wie andere das scheinbar mühelos schaffen. Alles sieht von außen so perfekt aus, so reibungslos.
Aber dann gibt es eine leise Stimme in mir, die mich erinnert: Niemand ist perfekt. Und das ist okay.
Ich arbeite selbst daran, meinen eigenen Perfektionismus loszulassen – den Druck, den ich mir selbst auferlege, und den ich oft nicht erfüllen kann. Ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der gut mit Stress umgehen kann. Und weißt du was? Das ist in Ordnung. Warum sollte ich mich dazu zwingen, etwas zu sein, das ich nicht bin?
Der liebe Architekt im Himmel hat sich etwas dabei gedacht, wie er uns erschaffen hat. Und dafür bin ich dankbar.
Ich habe das große Glück, einen Partner an meiner Seite zu haben, der mich auffängt, bevor der Druck überhandnimmt. Doch ich frage mich oft: Wie viele Frauen gibt es, die dieses Glück nicht haben? Wie viele fühlen sich unverstanden, wenn ihnen mal der Kragen platzt, weil alles zu viel wird?
Es fängt bei den kleinen Dingen an, die selbstverständlich scheinen – Zeit für sich selbst, ausgiebige Körperpflege, einfach mal zur Ruhe kommen. Doch für viele von uns werden genau diese Selbstverständlichkeiten zum Luxus. Und während viele Frauen das stillschweigend hinnehmen, habe ich für mich beschlossen: Das darf so nicht sein.
Denn solche Momente der Selbstfürsorge sind wichtig. Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Geist und die Seele. Sie bringen Balance in unser Leben und helfen uns, Herausforderungen mit klarem Kopf zu meistern.
Vielleicht liest das hier auch ein Mann. Falls ja, bitte ich dich, diesen Gedanken mitzunehmen: Seht es nicht als selbstverständlich an, was eure Partnerinnen tun. Das Haus sauber halten, für die Familie kochen, waschen, managen, Kinder erziehen und dann auch noch bereit sein für intime Momente – das ist nicht „einfach so“.
Das weibliche Geschlecht ist stark, ja. Aber auch wir sind manchmal gebrechlich, erschöpft und verletzlich. Dann braucht es nicht viel, nur eines: Verständnis.
Verständnis, das uns zeigt, dass wir gesehen werden. Verständnis, das den Raum schafft, in dem Heilung und Transformation möglich sind.

Wir alle sind unperfekt, und genau das macht uns menschlich. Wenn wir aufhören, uns selbst und andere nach unmöglichen Maßstäben zu bewerten, können wir uns auf das konzentrieren, was wirklich zählt: Mitgefühl, Liebe und echtes Miteinander.
Lasst uns das feiern. Lasst uns unsere "Unperfektheit" als Geschenk annehmen – denn sie ist der Schlüssel zu echtem Wachstum.
Falls du dich in diesen Zeilen wiederfindest, dich verstanden fühlst und bereit bist, an der Akzeptanz deiner Unvollkommenheit zu arbeiten – oder sie sogar als deine besondere Stärke anzuerkennen –, dann lass uns das gemeinsam tun. Von Frau zu Frau: Wir müssen nicht perfekt sein, um stark zu sein. Lass uns zusammen daran wachsen und die Kraft in uns entdecken, die uns wirklich strahlen lässt.





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